Geschichte

Zurich Jazz Orchestra (ZJO)
Das Zurich Jazz Orchestra (gegründet 1995) ist eine in Zürich ansässige Big Band, die sowohl national als auch international tätig ist. Das ZJO zeichnet sich durch eine Vielfalt von Programmen, Projekten und Solisten aus. Gleichzeitig ist das Orchester als Plattform für aktuelles sowie einheimisches Big Band Schaffen zu verstehen.

 

 

1995 – 2000 Gründung
Gedacht als Rehearsal Band und Forum für einheimische Komponisten und Arrangeure wurde das Zurich Jazz Orchestra 1995 von André Bellmont, heute Dozent an der ZHdK, ins Leben gerufen. An jedem ersten Dienstag des Monats wurden im Miller’s Studio Zürich neben herkömmlichen Titeln regelmässig Kompositionen von Schweizer Musikschaffenden uraufgeführt.

 

1999 übernahm der Saxophonist David Regan die Leitung des Orchesters. Gleichzeitig ergab sich die Möglichkeit bis zu dessen Schliessung im Club Inkognito im Zürcher Westend anstatt nur einmal im Monat, jeden Dienstag aufzutreten.

 

2000 – 2003 Umstrukturierung
Mit der Übernahme der musikalischen Leitung durch Stefan Schlegel im Juni 2000 erhielt das Orchester mit Bettina Uhlmann auch eine administrative Leitung. Als Folge davon konnten Strukturen gestrafft und ein Gönnerverein zur Förderung und breiteren Abstützung des Orchesters in der Öffentlich gegründet werden. Darüber hinaus wurden um eine professionellere Finanzierung zu ermöglichen Gespräche mit der Stadt Zürich und der Fachstelle Kultur des Kantons Zürich aufgenommen, sowie Beziehungen zu Stiftungen geknüpft. Mit dem Jazzclub Moods im Schiffbau bot sich gleichzeitig eine neue Konzert-Plattform an und im Oktober 2000 spielte das ZJO sein erstes Konzert vor grosser Kulisse im Schiffsbau.

 

2003 – 2006 Erste CD
Als neuer musikalischer Leiter erhielt Frank Sikora im September 2003 den Auftrag, mit dem Orchester eine erste CD zu realisieren, die Projektarbeit zu intensivieren und neue musikalische Wege zu erkunden. Die erste CD erschien mit dem Titel «Beyond Swiss Tradition». Durch Partnerschaften mit DRS 2 (Co-Produzent), Universal Music Switzerland (Label) und Präsenz Schweiz konnte die CD breit abgestützt werden.

 

Unter dem Motto «Tradition – Überliefertes – Durchbrechen – Aufbrechen» bestritt das ZJO das Eröffnungskonzert des Moods mit dem eigens kreierten Programm «Basie & Beyond». Dabei kamen zum ersten Mal auch multimediale Mittel zum Einsatz. Zusätzlich zur Konzertreihe im Jazzclub Moods wurden 2005 die so genannten Werkstattkonzerte in Zusammenarbeit mit der Jazzabteilung der damaligen HMT Zürich (Hochschule für Musik und Theater, heutige ZHdK) ins Leben gerufen mit dem Ziel, auch unkonventionellere Big Band Literatur zu präsentieren und dabei jungen Schweizer Komponisten eine Plattform zu bieten. Pro Konzert hat jeweils ein/eine Absolvent/Absolventin der Jazzabteilung die Möglichkeit im Orchester Einsitz zu nehmen. Analog zur Klassik bietet das ZJO so den Studierenden die Möglichkeit in einer professionellen Big Band ein Volontariat zu absolvieren.

 

2006 – 2008 Neue Horizonte und zweite CD
Im September 2006 übernahm Rainer Tempel die musikalischen Geschicke des ZJO, welches knapp ein halbes Jahr später im März 2007 bereits sein 10-jähriges Bestehen im Jazzclub Moods, inklusive Live Mitschnitt von Radio DRS 2, feiern konnte. Diese Beständigkeit war unter anderem ausschlaggebend für den Entscheid der Stadt Zürich, dem Orchester als förderungswürdige Institution einen Subventionsbeitrag zu sprechen.

 

Die zweite CD «New Plans» erschien 2008. Alle zehn Arrangements stammen aus der Feder von Rainer Tempel und sind den einzelnen Solisten der Band auf den Leib geschrieben. Erneut konnten Radio DRS 2 sowie Universal Music Switzerland als Partner gewonnen werden. Die CD wurde in nur zwei Tagen im Radio Studio Zürich eingespielt und löste konnte sich eines grossen Echos bei Presse und Publikum erfreuen.

 

Ebenfalls 2008 wurde der «open Soundcheck» vor den Konzerten im Jazzclub Moods eingeführt. Speziell SchülerInnen der Jugendmusikschule Zürich bot der kommentierte Soundcheck einen Einblick in die Probearbeit und das musikalische Leben und Schaffen der Big Band.

 

2009 – 2012 Grossprojekte
Neben der Weiterführung der Konzerte im Moods und der Werkstattkonzerte (Volontariat) in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule der Künste wurde im März 2009 erstmals ein internationaler Kompositionswettbewerb für Big Band für Jungkomponisten lanciert: unter der Bedingung, dass sie das 30. Altersjahr noch nicht vollendet hatten, sollten die Teilnehmer eine für das ZJO massgeschneiderte Partitur einreichen.

 

Mit Gil Evans Fassung von Gershwin’s Porgy & Bess liess das Zurich Jazz Orchestra im April 2009 in einem Doppelkonzert die legendäre Zusammenarbeit zwischen Miles Davis und Gil Evans neu aufleben. Kein Geringerer als Till Brönner übernahm dabei den Trompetenpart von Miles Davis.

 

2010 – 2012 Erste Tournee, dritte CD und Theaterproduktion
Mit Gastspielen in München, Stuttgart und Graz begab sich das ZJO im Februar/ März 2011 ein erstes Mal erfolgreich im nahen Ausland auf Tournee: Ein bedeutender Schritt für ein freischaffendes, Grossensemble. In einer erneuten Koproduktion mit DRS 2 wurde im darauffolgenden Juni die dritte CD unter dem Titel «Song» aufgenommen. In einer Kombination von Big Band und Gesang stellte der musikalische Leiter Rainer Tempel ein Programm zwischen Tradition und Moderne, von klassischen Stücken über Popsongs, zusammen.

 

Am 27. September 2011 fand die Premiere einer Koproduktion mit dem Theater Rigiblick und Daniel Rohr statt: Präsentiert wurde der von Henning Mankell verfasste Monolog «Miles oder die Pendeluhr aus Montreux» umrahmt von Miles Davis «Sketches of Spain». Diese Zusammenarbeit stiess auf solchen Anklang, dass bis ins 2016 Zusatzaufführungen stattfanden. Mit der Produktion «Miles Ahead» beschloss das Zurich Jazz Orchestra nach fast drei Jahren im Februar 2012 seine Gil Evans & Miles Davis Trilogie («Porgy & Bess», «Sketches Of Spain», «Miles Ahead»), welche aufgrund seiner ungewöhnlichen Instrumentierung und des schwer zu findenden Notenmaterials so gut wie nie gespielt wird.

 

2012 – 2016 Neuer Leader, neue Ära
Nach sieben musikalisch reichen Jahren dirigierte Rainer Tempel das ZJO im April 2013 zum letzten Mal. Auf die ausgeschrieben Stelle für seine Nachfolge gingen dutzende Bewerbungen aus ganz Europa ein. Das ZJO liess sich unter der Interimsleitung von Daniel Schenker ein Jahr lang Zeit, um mit verschiedenen Bewerbern probeweise zu arbeiten, bevor die Wahl schliesslich auf den Deutschen Steffen Schorn fiel. Als Link zwischen Zürich und Köln wird seither weiterhin Daniel Schenker eingesetzt. Das erste Konzert des Zurich Jazz Orchestra unter Steffen Schorn im September 2014 war gleichzeitig auch die Eröffnung des neuen Musikklub Mehrspur auf dem Toni-Areal der ZHdK.

 

Daraufhin folgten ein Auftritt am Zurich Film Festival und einer am bekannten Festival jazznojazz mit dem Schlagzeuger Jojo Mayer. Als Gäste waren ausserdem Bill Holman im Miller’s Studio, Lars Andreas Haug und Marcio Bahia in Zürich.

 

Der Auftritt am Zurich Film Festival konnte in der darauffolgenden Saison gleich wiederholt werden. Darüber hinaus reiste das Zurich Jazz Orchestra in der Saison 2015/2016 ans WDR 3 Jazzfest in Münster Westfalen und hatte Thomas Gansch und Joe Haider zu Gast. Neben dem bereits altbewährten Theater-Programm «Miles oder die Pendeluhr aus Montreux», welches aufgrund grosser Publikumsnachfrage wieder aufgenommen wurde, erfolgte auch die Lancierung eines neuen Programms zum 100. Geburtstag von Frank Sinatra. Mit «Mein Leben mit Frank Sinatra» machte das ZJO unter der Regie von Daniel Rohr im Theater Rigiblick eine Zeitreise zurück in die Ära des Swings und die Epoche von Harry James und Tommy Dorsey. Das Privatleben des Sängers wurde ergänzend zu den Musikstücken in Form eines Interviews (Max Merker) mit dessen Chauffeur und Butler (Nino Sandow) geschildert. Am Mikrophon Sandra Studer, Raphael Jost, Pino Gasparini und Levin Deger.


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